Ooch du lieber Weihnachtsbaum!

Tief im Westen von Deutschland, da wo ein Völkchen lebt, das sich „linker Niederrheiner“ nennt,
gibt es eine Gemeinde, in der sich ein paar Menschen der Hilfe von Weihnachtsbäumen verschworen haben.
Wenn das Weihnachtsfest naht, dann sind auch die Besitzer mit den Weihnachtsbäumen auf jedem Markt und an jedem großen Kaufhaus zu finden, die ihre Ware eher lautlos anbieten.
Das liegt zum Einen daran, dass an Weihnachten sowieso jeder einen Baum braucht (da braucht man die Ware nicht lautstark anpreisen), und zum Anderen daran, dass es biestig kalt ist auf dem Verkaufsstand.
Die Kunden kommen mit ihren Autos und Anhängern und suchen sich die schönsten und prachtvollsten Exemplare heraus.
Wer zuerst kommt, hat die größte und prachtvollste Auswahl. Natürlich hat diese Pracht auch ihren Preis.
Aber dadurch, dass es erst der Anfang vom Weihnachtsbaumgeschäft ist, kann man mit den Verkäufern nicht um den Preis diese Prachtbäume feilschen.
Man kauft sie oder man lässt es. So sagen die Weihnachtsbaumverkäufer, denn denen ist es egal. Sie wissen, dass die Bäume mit 100%iger Sicherheit verkauft werden.
Wenn man dann denkt dass man ein paar Tage später wiederkommt und den gleichen Baum für weniger Geld kaufen könnte, hat die Rechnung oft ohne den Wirt gemacht.
Denn dann ist so ein Prachtexemplar oftmals schon an jemand anderen verkauft.
Na ja, und genau das ist meiner lieben Freundin, der jetzigen Vorsitzenden der Weihnachtsbaumrettungsgruppe, schon mehrere Jahre hintereinander passiert.
Darüber ärgerte sie und ihre Familie sich dann immer sehr.
Vor 20 Jahren hat sie dann beschlossen, das Weihnachtsfest in Zukunft nur noch ganz gechillt anzugehen. Nur kein Streß vorm Fest, war von da an ihr Weihnachtsmotto.
Sie ließ die anderen um die Bäume feilschen und hechten. In dieser Zeit konnte sie in Ruhe Plätzchen backen oder sich einfach nur eine geruhsame Vorweihnachtszeit machen.
Erst am Tag vor Weihnachten ging sie los und kaufte einen Baum. Den Baum, der dann noch übrig war. Oftmals war der Baum sehr dürr oder ihm fehlten auch ein paar Zweige, aber nun konnte man mit den Verkäufern handeln und sie priesen lauthals ihre restliche Ware an, weil sie jetzt schnell alles verkaufen wollten. Also konnte sie einen Baum kaufen, der vom Preis her fast geschenkt war, nahm für das Geld auch noch etwas Reisig vom Boden mit und ging mit ihm nach Hause.
Natürlich war die Familie erst entsetzt über den Weihnachtsbaum, aber meine Freundin blieb standhaft und erklärte den Kauf zum mildtätigen Werk an einem ansonsten zum Verschrotten verurteilten Baum. Der Gedanke passt zum Weihnachtsfest und daher gefiel er der Familie.
So nahmen sie das zusätzlich mitgebrachte Reisig und pimpten den angeschlagenen Baum damit auf, indem sie die Zweige einfach in den Baum reinklebten oder mit Verband in ihm befestigten. Durch Mund zu Mund Propaganda hat sich dieses Projekt im Laufe der Jahre auch bei vielen anderen Familien durchgesetzt. Aber es blieb ein regionales Projekt vom „linken Niederrhein“.

Maria Jost, geb.1961 am linken Niederrhein, ist Umschülerin zur staatl. anerkannten Erzieherin, wohnt im Südschwarzwald und hat einen erwachsenen Sohn.
Unter dem Namen " SENTA RASKO " schreibt sie Kurzgeschichten und Gedichte und gestaltet großflächige Collagen.


Die Autorin/Der Autor empfiehlt ihre/seine Geschichte für Kinder von 11-14.

Erstellt am Mittwoch, 27.11.2013


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